Liebe Laterne bald bist Du wieder da...

Mama und Papa sagten eines Tages als es draußen regnete und die Blätter von den Bäumen fielen: Im November gibt es wieder den Laternenumzug. Ich hatte natürlich damals keine Ahnung, was es mit dem Wort "November" auf sich hatte, aber ich konnte mir denken, dass dies ein gewisser Zeitpunkt oder Zeitraum sein musste. Also hoffte ich, dass es nicht mehr so lange bis dahin ist, zumal meine Eltern diese freudige Ankündigung sonst doch wohl auch nicht gemacht hätten. Oder doch? Musste ich vielleicht noch hunderte Male schlafen bis zum Laternenumzug mit meinen Kindergarten-Freunden?

Nein! Schon nach wenigen Tagen, ich glaube ich bin ungefähr 20 Mal schlafen gegangen, war es so weit. Am Morgen vor dem Weg zum Kindergarten gaben mir meine Eltern eine wunderschöne Laterne in die Hand und ich wusste heute ist der Umzug. Der Tag im Kindergarten verflog. Alle konnten es kaum erwarten, bis es endlich anfing zu dämmern. Wir zogen unsere warmen Anziehsachen an, setzten uns die Mützen auf und nahmen die Laterne in die Hand. Schon im Kindergarten fingen wir an zu singen. Als wir dann endlich losgehen durften, gab es kein Halten mehr. Alle Kinder rannten aus dem Kindergarten auf den Gehweg und stellten sich in der am Vortag und heute tausendfach geübten Ordnung auf. Der Laternenumzug konnte beginnen. Wir liefen durch die Straßen, vorbei an all den Läden und Schaufenstern, die wir alle schon so oft gesehen hatten. Doch heute war das Gefühl in mir ein ganz anderes. Ich war so stolz, den Ladenbesitzern und Passanten meine Laterne zu zeigen und genoss es wie nie zuvor, durch die mir so vertrauten Straßen zu laufen. Meine Freunde aus dem Kindergarten strahlten über das ganze Gesicht. Ich sah in ihren Gesichtern, wie schön dieser Moment für sie war. In der Gruppe zu laufen, im Dunkeln über die Gehwege und dabei dann auch noch Lieder singen zu dürfen...das kommt halt nicht alle Tage vor.

Als meine Eltern mich dann abholten, gingen sie sogar noch eine Runde mit uns mit. Das war so toll. Ich zeigte ihnen, wie gut und textsicher ich singen konnte (schließlich haben wir das ja auch wochenlang geübt). Die Laterne gab ich an diesem Tag bis ich ins Bett ging nicht aus der Hand.

Ich glaube bis heute, dass es meinen Eltern damals auch Spaß gemacht. Jetzt sind wir die Erwachsenen und laufen mit den Kindern durch die Straßen. So vergeht die Zeit, doch die Erinnerungen bleiben und die Gefühle leben wieder auf. Wahrscheinlich ging es meinen Eltern nicht anders.

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